Schachkatastrophen in Zalakaros

Letzte Woche spielte ich wiedereinmal ein Schachturnier. Ich hatte mich sogar darauf vorbereitet, persönliches Ziel war eine IM-Norm und eine Elozahl +2400. Ich musste leider in Ermangelung von Reisepartnern (Kreindl, Steiner, Schwaninger alles Schwachstellen ;-)) mit dem Zug anreisen. Die Streckenführung lautete Wien - Sopron -  Szombathely - Nagykanisza - Zalakomar und dort wurde ich dann von einer bezaubernden Dame (leider kein Foto!) abgeholt.

 Wo bin ich hier gelandet war meine erste Intention...

Nach Beziehen meines Appartements folgte ein Stadtrundgang. Als ein ernstes Hindernis für meine Titelambitionen stellten sich sogleich die billigen Preise in Ungarn für Bor, Pálinka und Sör heraus. Weiters sorgte der Turnierveranstalter für Freikarten im wunderbaren Spa von Zalakaros.

Aber nun zu den Partien:


Runde 1 Webersberger - Varga (2125)

In Runde eins bekam ich gleich ein 14-jähriges Mädel zugelost, Elo 2125. Weiters bakam ich die Information, dass die junge Dame aktuelle ungarische U20-Meisterin ist. Ich hatte dennoch die Hoffnung auf den vollen Punkt nicht aufgegeben. Die Partie lief eigentlich sehr passabel und ich erreichte folgende Stellung






Qe6! ist nun nicht wirklich schwierig zu finden meine ich mal, aber ihr Berichterstatter glaubte die Partie nun meisterlich abschließen zu können und zog...



Die Dame kann ja die Dame wegen Grundlinienmatt nicht nehmen oder? Hatte ich wohl etwas falsch kalkuliert wie sich herausstellte. Nachdem ich mich innerlich wüst beschimpft hatte, sah ich jedoch mein Stellungsglück und es folgte 27...Qxf7 28.Rxd8+ Bf8 29.Bc5 Nxc5 30.Nxc5 Kg8 31.Ne6 Qe7 32.Kf3 Qb4 mit späterer Remisfolge. Schlussstellung war die Folgende.





Festung und damit Remis, nicht der erwünschte Start, aber ich war noch guter Hoffnung. Es folgte eine Einladung von Zoltan Medvegys Frau Emese zum Abendessen, welchem ich auch folgte. Danke dafûr.


Runde 2 FM Pasztor (2205) - Webersberger

Mein Gegner legte die Partie schon ziemlich sicher an, ich konnte jedoch diverse Vorteile ansammeln und erreichte aus einem Grünfeld heraus die folgende Gewinnstellung mit Schwarz am Zug.


Der schwarze König steht zwar etwas unsicher, aber trotzdem sollte der Gewinn aufgrund der Freibauern und des Springers möglich sein. Ich wollte nun nicht a3 ziehen, da die Bauern dann irgendwie nicht mehr weiterkommen dachte ich und zog siegessicher Da5. Die Dame kommt ja nicht rein und b3 gewinnt nun einfach oder? Mein Gegner zog jedoch in Sekundenbruchteilen(!)


Qa3!! und bot Remis. Schlechter Scherz dachte ich nun, aber meine Stimmung verschlechterte sich von Minute zu Minute. Es ist einfach Dauerschach oder ich verliere den a- oder h-Bauern. (Check Robbolito) Es folgte noch.  43... b3 43.Qf6 Qe1+ 44.Kh2 Qxe3 45.Qf7+ und Remis. Fuck again.


Runde 3 Webersberger - FM Boronyak (2198)

Folgende Stellung entstand nach diversem unterdurchschnittlichem Lavieren beiderseits. Ich fûhlte mich schon sehr entspannt als ich Rh3 zog (siehe Diagramm) und dachte jetzt bricht der alte FM auseinander.


Er grübelte ein wenig, kratzte sich seinen Rauschebart und zog.


g5!. Puh, leiwand. Wieder setzte inneres intensives Selbstbeschimpfen ein. Kompentation hab ich aber dachte ich mir und spielt Qh6 und bekam ausgezeichnetes Spiel und am Ende küsste mich Caissa in folgender Stellung,



da nun der Springer über h5 entscheidend eingreift, weil Sf4 an Bxh7 scheitert. Erster Sieg!

Runde 4 Vrchotka (2015) - Webersberger

Leicht betrunken und mit Sonnenbrand zur Partie kommen ist kein guter Plan wie sich gegen den alten Tschechen bald herausstellte. Ich zog die Figuren sinnbefreit hin und her und folgende Stellung entstand.


Irgendwie kam in mir die Angst hoch, dass ich irgendwie auf h7 eingehe und ich mich nun dagegen wehre müsste. Angebracht wäre eher den Hebel b4 durchzusetzen. Nach stupiden Zügen meinerseits kam es zu folgender Stellung.


Nach f5 hätte ich wohl blöd geschaut. Weiß spielte jedoch schwach Rae1 und nach 5 abgelehnten Remisangeboten meinerseits willigte ich nach







Qe1+ deprimiert ins Remis ein. So einen Spieler muss man einfach schlagen und das Spiel samt Spielanlage war einfach eine mittlere Katastrophe.

Runde 5 Webersberger - IM Vegh (2252)



Mit einem von meinem Gegner verfassten Eröffnungsbuch bin ich nach Ungarn gefahren und jetzt spielte ich gegen ihn. Ich entschied mich einem Eröffnungsduell aus dem Weg zu gehen und spielte die seltene Richterverteidigung und konnte etwas Eröffnungsvorteil herausholen und folgende Stellung entstand.






Leider konnte ich mich nicht zu Se5 durchringen samt Be2 und Bf3 und Vorteil und spielte das verflachende Qe5. Wenig später endete die Partie unentschieden. Unten die Schlussstellung.



Runde 6  FM Juhasz (2304) - Webersberger

Zur Abwechslung mal wieder ein junger Ungar. Ein sympathischer Kerl gegen den ich in Wien schon gespielt habe. Ich wollte natürlich gewinnen und spielte zur Abwechslung mal Königsindisch. Jedoch verflog meine kämpferische Stimmung durch die Abtauschvariante und ich bot Remis in folgender Stellung und verschwand ins Bad.

 Runde 7 Webersberger - Kende (2244)


Benoni stand auf der Tagesordnung und irgendwie konnte ich meinen Vorteil nie ausbauen, bzw wollte den Stellungscharakter nicht ändern. Mein Gegner öffnete dann die Stellung zu meinem Vorteil und folgende Stellung entstand. (Letzter weißer Zug e5)


Hier war ich strukturell schon sehr zufrieden. Kontrolle über e4 und der starke Bd4 ist fast neutralisiert. Es folgte 32.e5 dxe5
( 32...Qxf4+ 33.Qxf4+ gxf4 34.e6+ Kg8 35.Ne4 Bxb2 36.Rxb2 Nd3 37.Reb1 Nxb2 38.Rxb2 Rb8 )
33.fxg5 Qf4+ 34.Kh1 Qxd2 35.Rxd2 Kg6 36.Ne4 und hier habe ich schon beträchtlichen Vorteil.






Stellung nach 36.Ne4

Es folgte noch einige Züge und am Ende gab mein Gegner in den nachstehenden Position auf.






Runde 8 GM Horvath (2502) - Webersberger

Das war eine ziemlich spannende und komplexe Partie. Philidor as its best. In Zeitnot kam folgende Stellung aufs Brett.





Hier war ich relativ zufrieden. Der Springer kommt nach e5 und und und. GM Erdos schlug nach der Partie f5 vor und das Feld e6 samt schwarzem Läufer ergeben Kompensation für die Felderschwächen. Es folgte jedoch h4 und in der Diagrammstellung patzte der GM mit Rd2??



Der Gewinnzug lautet Bh6! -+. Es folgte noch folgende Verzweiflungszüge und nach  31 ... Bh6 32.g5 fxg5 33.hxg5 Nxg5 34.Nd4 Rf8 35.Ne6 Rxf5 36.Nxc5 Nef3+ 0-1.







Runde 9 Webersberger - GM Berzces (2531)

Mit Berczes hatte ich noch eine Rechnung offen und wenn ich die Partie gewinne geht sich die Norm vielleicht doch noch aus. Auch ein Geldpreis wäre möglich gewesen. Die Eröffnung verlief unorthodox und ich mochte meine Stellung sehr. Aber was ich ab Zug 17 aufführe, dafür schäme ich mich heute noch.



Schwarz hat gerade die Damen getauscht und will jetzt den Läufer noch tauschen um mehr Felder für die Pferde zu erhalten. Ich zog unverständlicherweise ganz schwach b3, anstatt mit Ba5 den Läuferpaar zu erhalten und die Vorteile das Läuferpaars zu konservieren. GM Stanec gewinnt die Stellung wohl in 9 von 10 Fällen. Das passiert mir nie mehr. Jetzt wollte ich die Bauern am Königsflügel auflösen und dann passierte mir der folgende Stockfehler. (siehe unten). Auch die Stellung ist noch immer remis. a3 und b4 und alles ist in Ordnung. Mit nur einer Schwäche (h3) verliert man keine Partie, und der Läufer ist auch stark.



Aber vollständig ruiniert habe ich die Partie mit einem Bauernzug.




Ich könnte mich noch immer ohrfeigen für b5. Am Ende stellte ich noch die Qualität einzügig ein. Was folgte war Enttäuschung. Keine Norm, Elos verloren, kein Preisgeld. Ich bin dann im Regen heimgegangen und am nächsten Tag heimgefahren. Da haben die Rieder wenigstens den österreichischen Cup gewonnen und mir einen wunderbaren Tag bereitet.

Fazit: Wunderbares und stark besetztes Turnier mit vielen guten Jugendspielern und ungarischen Schachlegenden (Gyula Sax, Ildiko Madl usw usf) und für österreichische Verhältnisse eine günstige Angelegenheit. Es lohnt sich dort zu spielen und Ungarn ist immer eine Reise wert (alleine wegen der wunderbaren Sprache). Persönlich war es natürlich eine etwas enttäuschende Angelegenheit, aber wenigstens hab ich viel fürs eigene Schach gelernt.

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